4 Jahre

Hey ihr Lieben,

hier kommt mal ein etwas anderer Blogpost. Dieser Blogpost hat nichts mit Rezepten oder Essen allgemein zu tun. Es geht darum, wie man mit (schweren) Schicksalschlägen, Enttäuschung und Trauer umzugehen lernt.

Die allerwenigstens werden es wissen, da ich es nicht an die große Glocke hänge und allgemein darüber nicht oft spreche. Vor genau 4 Jahren habe ich meinen Vater aufgrund einer sehr schweren Krebserkrankung verloren. Schon lange habe ich überlegt meine Erfahrungen damit mit euch zu teilen und euch Tipps zu geben, wie ich gelernt habe damit umzugehen.

Heute kann ich sagen, dass ich den Tod meines Vaters verarbeitet habe und auch keine Probleme mehr habe darüber zu sprechen. Ich denke es gibt aber viele Menschen da draußen, die an der gleichen Stelle wie ich vor 4 Jahren stehen und denken, dass sie vielleicht nie wieder lachen oder das Leben genießen können.

 

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Zunächst will ich sagen, dass es nicht immer unbedingt einen extrem schweren Schicksalsschlag braucht, damit ihr euch schlecht oder traurig fühlen dürft. Jeder Mensch empfindet anders und das was für Person X schlimm ist muss noch lange nicht für Person Y schlimm sein. Das einzige was zählt ist euer Empfinden. Wenn es euch wegen einer bestimmten Sache oder einem bestimmten Ereignis schlecht geht, dann ist das okay! Vergleicht euch da nicht mit anderen! Wenn ihr etwas als schlimm empfindet, dann ist es so. Lasst euch da nicht von jemand anderen, der nicht in eurer Haut steckt erzählen, dass ihr etwas nicht als schlimm empfinden dürft ..

Jetzt erstmal kurz zu mir und meiner “Geschichte”

Bis vor 5 Jahren dachte ich, dass ich von einer unsichtbaren Blase umgeben bin und mich niemals ein Schicksal treffen könnte. Ich hatte eine tolle Familie, wo (mehr oder weniger) jeder mit jedem gut zurecht kam und eigentlich war alles schön. Schicksalsschläge kannte ich aus dem Fernsehen und vielleicht auch mal aus der Zeitung, aber ich dachte mir “ne sowas wird mich nicht treffen” ..

Tja, dieser Traum ist dann vor etwa 5 Jahren zerplatzt, als mein Vater plötzlich ins Krankenhaus kam. Erste Diagnose: Schlaganfall mit 44 Jahren. Wenn ich zurückblicke, dann wäre diese Diagnose noch “schön” gewesen. Nach diversen Untersuchungen wurde diese aber revidiert und durch die Diagnose “Glioblastom” ersetzt. Glioblastom oder auch Gehirntumor.

Wer sich vielleicht ein bisschen mit Medizin ausgeht wird wissen, dass die Diagnose Gehirntumor mit einer sehr sehr großen Wahrscheinlichkeit das Todesurteil ist. Es gibt nur einen minimalen Prozentsatz, der nicht an einem Gehirntumor stirbt, da das Gehirn im Gegenteil zu anderen Organen noch viel zu wenig erforscht wurde.

Ich möchte jetzt gar nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es war sehr schnell klar, dass mein Vater diese Krankheit nicht überleben wird. Jegliche Operationen und Chemotherapien haben nicht angeschlagen. Meinem Vater sind trotz Chemo nicht mal wirklich die Haare ausgefallen. Ich denke, dass zeigt wie aggressiv dieser Tumor war und wie wenig Wirkung die Versuche zeigten, um ihm zu helfen. Schlussendlich waren das alles nur lebensverlängernde Maßnahmen, aber keine Maßnahmen mit einer 100% Heilungschance..

Mit der Zeit breitete sich der Krebs immer weiter aus und mein Vater wurde mehr und mehr zu einem Pflegefall. Den genauen Krankheitsverlauf werde ich euch nicht beschreiben, da das einfach den Rahmen sprengen würde. Meine Mama und ich haben meine Papa zu Hause bis zu seinem Tod gepflegt. Natürlich hatten wir auch Unterstützung durch die Familie und einen Pflegedienst, aber das meiste haben meine Mama und ich alleine gemacht. Am Ende konnte mein Vater weder sprechen, noch laufen bzw. sich überhaupt bewegen, kauen oder schlucken. Sehen konnte er wahrscheinlich auch nicht mehr, aber da er sich nicht äußern konnte wissen wir das natürlich nicht ..

Am 17. Mai 2013 ist mein Papa dann im engsten Kreis der Familie eingeschlafen.

 

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Ich kann natürlich nicht beurteilen ob es schlimmer ist zu wissen, dass jemand sterben wird oder ob jemand plötzlich stirbt. Im Endeffekt tut das aber nichts zur Sache, denn die Trauer bei den Hinterbliebenen bleibt bestehen. Worte wie “Jetzt geht es ihm/ihr besser” sind da oft wenig hilfreich, denn die Trauer wird dadurch nicht weniger..

Was hat mir nun geholfen, dass ich heute ohne Probleme damit umgehen kann?

  1. Seid traurig! Lasst eure Trauer zu, weint so viel ihr wollt.. Das schlimmste ist meiner Meinung nach all die Trauer zu unterdrücken und so zu tun als sei nichts geschehen. Es wird euch irgendwann einholen und dann wird es noch viel schlimmer sein, als wenn ihr es von Anfang an zulasst

  2. Verabschiedet euch von dem Mensch, der sterben wird! Das ist wirlklich etwas, was ich JEDEM ans Herz legen will. Ich bin im Nachhinein so unglaublich froh, dass ich meinem Papa irgendwann, als er schon nicht mehr sprechen konnte alles gesagt habe, was ich ihm jemals sagen wollte. Ich habe mich bei ihm bedankt, entschuldigt und einfach alles gesagt, was mir auf dem Herzen lag.

  3. Sprecht über euer Schicksal, über euer Problem oder über eure Trauer. Sowas kann wirklich wahre Wunder wirken.

  4. Lenkt euch ab! Verkriecht euch nicht unter der Bettdecke, sondern geht raus und versucht auf andere Gedanken zu kommen. Viele denken, dass sie ihr Leben jetzt nicht genießen dürfen oder es falsch wäre den alltäglichen Dingen nachzukommen. Aber genau das ist falsch! Was bringt es euch, wenn ihr euch noch weiter in eurem Loch verbuddelt? Das ist wohl das letzte, was der oder die Verstorben gewollte hätte.

  5. Erinnert euch vor allem an die schönen Dinge mit der verstorbenen Person

  6.  Haltet euch vor Augen, dass das Leben weiter gehen wird. Das schließt ziemlich an den 4. Punkt an, aber überlegt euch, was die verstorbene Person sich vielleicht von dir wünsche würde, wie du nach deren Verlust weitermachen sollst

  7. Hängt euch nicht an Fragen auf, auf die ihr niemals eine Antwort bekommen werdet. Das ist etwas, was mir immer wieder aufgefallen ist. Menschen, die sich immer wieder die Fragen stellen “wieso, weshalb,warum” werden nicht mit dem Schicksal abschließen können. Es ist ganz normal, dass man sich diese Fragen stellt, aber diese Fragen sollte nicht Mittelpunkt eures Leben werden.

  8. Akzeptiert es – ein Schicksal zu akzeptieren braucht viel Zeit und es beutetet nicht, dass man einfach so tun soll, als sei nichts geschehen, aber ihr müsst weitermachen. Die Welt und das Leben wartet nicht auf euch. Trauert, seid verzweifelt und wütend, aber macht euch auch bewusst, dass ihr die Dinge nicht ändern könnt.

  9. Holt euch professionelle Hilfe, wenn ihr es nicht alleine schafft

  10. Zeit heilt alle Wunden – versprochen!

Das waren erstmal meine “Tipps”, wie man mit solchen Schicksalen umzugehen lernt. Natürlich wird es immer wieder Momente geben, an denen der Verlust verstärkt spürbar wird, aber man lernt damit umzugehen. Freunde und Familie sind auf diesem Weg natürlich ein wichtiger Teil. Wie bereits erwähnt spricht auch nichts dagegen sich professionelle Hilfe zu suchen, wenn man aus dem Loch nicht mehr alleine rauskommt. Die Maßnahme hat überhaupt nichts mit Schwäche zu tun. Sowohl ich, als auch meine Mama haben die Erfahrung gemacht, dass irgendwann der Punkt kommt, wo man merkt, dass man wieder zur normalem Tagesordnung übergehen kann. Der Spruch “Zeit heilt alle wunden” beinhaltet daher viel Wahrheit. Man lernt mit der Zeit mit den Dingen umzugehen und das richtige Maß an Trauer zu finden.

 

Die geliebt werden, können nicht sterben, denn Liebe bedeutet Unsterblichkeit.” – Emily Dickinson

 

Verstorbene Menschen werden immer in eurem Herzen weiterleben. Sie werden euch immer begleiten. Nur weil ihr irgendwann wieder dem Alltag nachgeht bedeutet das nicht, dass ihr die Person vergesst. Ihr tragt sie immer im Herzen mit euch mit!

Was ich noch sagen wollte ist, dass wohl niemand damit gerechnet hat, dass mein Vater fast 1 Jahr mit dieser Krankheit überlebt hat. Die Ärzte haben ihm ein paar Wochen, vielleicht auch wenige Monate gegeben, aber mein Vater war innerlich so sehr davon überzeugt, dass er wieder gesund wird, dass ihn dieser Wille viel Kraft gegeben hat. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Ihr schafft das!

Abschließend möchte ich daher nochmal betonen, wie wichtig es ist das Leben zu leben. Schiebt nicht alles auf später auf, sondern erfüllt euch eure Träume JETZT. Mein Papa hat sein Leben lang hart gearbeitet und Überstunden geschoben, um früher in Rente gehen zu können und für später auszusorgen. Das Schicksal hatte da aber eine andere Intention. Lebt jede Sekunde und genießt euer Leben!

Und damit nochmal ein großes Danke sowohl an meine Mama mit der ich diese Zeit überstanden habe, aber besonders an den Freund meiner Mama ohne den meine Mama heute nicht das wäre, was sie ist. Nämlich eine lebensbejahende Person, die sich endlich all ihre Träume erfüllt und ihren Weg geht ohne sich von anderen Leute reinreden zu lassen.

 

Ich hoffe ich konnte damit vielleicht einigen helfen und bedanke mich bei allen, die bis hierhin gelesen haben 🙂 ihr könnt mir natürlich immer gerne schreiben! Egal ob als Kommentar, bei Instagram oder per Mail – mein Ohr ist wirklich für jeden offen..

Eure Michelle ♥

Follow:

2 Kommentare

  1. Michael
    21/05/2017 / 21:54

    Eine bewegende Geschichte großartig geschrieben die anderen Kraft geben wird und viele zum Nachdenken bringen sollte was wirklich zählt.
    Ganz toll Michelle. Vielen Dank dafür
    Ich weiß wie stark Du bist.

  2. miss.carokaffee
    22/05/2017 / 20:47

    Hey Michelle, nun habe ich doch endlich deinen Blogpost gelesen und ich bin zugleich gerührt, traurig und friedvoll. Ich finde es so toll wie du diesen Post verfasst hast und was und wie du ihn geschrieben hast!!!
    Tja, was schreibt man bei so einem Thema für einen Kommentar… du sollst wissen, dass du meinen größten Respekt hast und ich an dich denke ❤ Auf mich wirkst du sehr sehr erfahren und als würdest du für dich selbst, richtig mit denn Thema umgehen.
    Alles alles liebe weiterhin!!!! Deine Caro ✨

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